Ist Abtreibung in Österreich erlaubt?

In Österreich ist ein Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich strafbar. Dem Abtreibungsarzt droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren, der Mutter bis zu einem Jahr (§ 96 Strafgesetzbuch).

Allerdings ist die Tat laut § 97 nicht strafbar, wenn die Abtreibung

  • innerhalb der ersten drei Monate nach Beginn der Schwangerschaft
  • nach vorhergehender ärztlicher Beratung
  • von einem Arzt vorgenommen wird.

In drei Situationen ist Abtreibung sogar bis zur Geburt (= Einsetzen der Geburtswehen) erlaubt:

  1. Wenn ohne den Abbruch eine ernste Gefahr für das Leben oder die körperliche oder seelische Gesundheit der Mutter besteht (= medizinische Indikation).
  2. Wenn ernste Gefahr besteht, dass das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt sein wird (= eugenische Indikation).
  3. Wenn die Mutter zur Zeit der Empfängnis unmündig, also unter 14, war.

Ist der Fötus überhaupt schon ein Mensch?

Die alles entscheidende Frage: Ab wann ist der Mensch ein Mensch? Die Naturwissenschaft hat hier eine klare Antwort. Eigentlich ziemlich einfach:

Stell dir mal vor, du spulst dein Leben zurück. Du kommst ins Jugendalter, dann wirst du ein Kind und irgendwann wirst du wieder ein Baby.
Und davor? Da hattest du es wohl recht gemütlich im Bauch deiner Mama. Vielleicht gibt´s ein Ultraschallbild von dir als Fötus (lat. das Kleine, der Nachkomme), dann weißt du, wie du in etwa ausgesehen hast.
In der 12. Schwangerschaftswoche (von insgesamt etwa 40 Wochen) sahst du schon aus wie ein Mini-Mensch: Kopf, Rumpf, Arme und Beine – alles da. Sogar all deine Organe waren schon angelegt und du hattest perfekt ausgebildete winzige Finger und Zehen!
Gehen wir noch ein wenig zurück. Als dein Herz zu schlagen begann, warst du erst 21 Tage alt. Deine Mutter wusste wahrscheinlich noch gar nicht, dass sie schwanger war.
Und davor? Da begannen sich deine Blutgefäße und Nervenstränge zu bilden.
Und davor? Da hast du es dir als Mini-Embryo in der Gebärmutter bequem gemacht. Du hast dich „eingenistet“.
Und davor? Da bist du mit deinem winzigen Körper (der damals noch aus weniger als 100 Zellen bestand) durch den Eileiter deiner Mutter gewandert.
Und davor?

Aber stopp! Irgendwo muss ja Schluss sein! Wann genau hat sich zum ersten Mal Leben in dir geregt? Wann wurden deine Erbanlagen festgelegt? Wann warst du eigentlich „du“?

All das geschah zu dem Zeitpunkt, als die Eizelle deiner Mutter mit der Samenzelle deines Vater zu einer einzigen, neuen Zelle (= Zygote) verschmolz. Dieses Ereignis wird Empfängnis oder auch Befruchtung genannt. Mit der Befruchtung bist DU als genetisch einzigartiger, neuer Mensch entstanden. Von diesem Zeitpunkt an verlief und verläuft deine Entwicklung fließend und sie wird erst mit dem Tod enden.

Die Frau hat das Recht über den eigenen Körper zu bestimmen!

Das stimmt zu 100%! Es bestreitet auch niemand, dass bei einer Schwangerschaft in erster Linie die Frau betroffen ist. Ihr Körper ist es, der große Veränderungen durchmacht und im Laufe von neun Monaten wortwörtlich an seine bisherigen Grenzen geht.

Doch gleichzeitig muss man auch klar festhalten, dass Abtreibung nicht nur das Bestimmen über den eigenen Körper ist, sondern auch über den eines anderen: der heranwachsende Fötus ist zwar eng mit der Mutter verbunden, aber trotzdem nicht Teil ihres Körpers. Er ist ein seperater Mensch, mit individueller genetischer Zusammensetzung und einem eigenem Blutkreislauf. Abtreibung entfernt nicht irgendeinen Tumor aus dem Körper der Frau, sondern zerstört den Körper und das Leben eines einzigartigen, sich entwickelnden Menschen.

Tatsache ist: niemand kann eine Frau zwingen, sich für das Leben ihres Kindes zu entscheiden. Selbst ein völliges Abtreibungsverbot würde nicht verhindern, dass vereinzelte Frauen sich für eine illegale Abtreibung entscheiden.

Aber: wir können und müssen unser Bestes geben, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Abtreibung nicht nur ein Kind tötet, sondern auch schwere Folgen für die Frau haben kann. Und wir arbeiten daran, dass jede Frau genau die Hilfe und Unterstützung bekommt, die sie in ihrer ganz persönlichen Situation benötigt, um „Ja“ sagen zu können – zu dem ungeborenen Kind in ihrem Körper.

Ist Abtreibung nicht eine gute Lösung für Frauen im Schwangerschaftskonflikt?

Das ist leider nicht wahr. Beratungsstellen geben an, dass die Mehrheit der Frauen im Schwangerschaftskonflikt nur deswegen zur Abtreibung geht, weil sie keine andere Alternative sieht. Wenn man jeder einzelnen dieser Frauen die Hilfe und Unterstützung zukommen lässt, die sie braucht, dann entscheiden sich die allermeisten Frauen für ihr Kind.

Einem Schwangerschaftskonflikt liegen oft größere Probleme zugrunde: Partnerschaftsprobleme, finanzielle Sorgen, Wohnungsnot, die Schwierigkeit, Kind und Ausbildung/Beruf zu verbinden, etc.. Abtreibung schafft kein einziges dieser grundlegenden Probleme aus der Welt. Nicht selten (siehe nächster Punkt) schafft Abtreibung sogar neue Probleme!

Wir sind der Überzeugung, dass wir gemeinsam diese grundlegenden Probleme anpacken und beseitigen sollten, nicht das Kind! DAS wäre eine gute Lösung für alle Beteiligten!

Eine legale Abtreibung ist doch ein harmloser Routine-Eingriff ohne Folgen für die Frau…

Auch das stimmt leider nicht. Eine Abtreibung im Rahmen der Fristenregelung mag heute vielleicht unter besseren medizinischen Umständen erfolgen als eine illegale Abtreibung früher.
Trotzdem sind die möglichen Komplikationen einer Abtreibung nicht zu unterschätzen (vgl. Gruber/Blanck 2014: S. 99): Zu körperlichen Sofort-/ oder Frühkomplikationen gehören Verletzungen von Muttermund, Gebärmutter oder Bauchorganen durch Abtreibungsinstrumente, aber auch Blutungen und aufsteigende Infektionen und Infektionen durch verbliebenes embryonales Gewebe.
Zu den Spätfolgen zählen erhöhtes Risiko von Früh- und Fehlgeburten aufgrund von Verletzungen, Unfruchtbarkeit (organisch oder psychosomatisch bedingt), Sexualstörungen, Depressionen und Schuldgefühle.

Die Gefahr von körperlichen Komplikationen ist tatsächlich sehr gering (etwa 1%). Im Gegensatz dazu sind die psychischen Folgen einer Abtreibung nicht zu unterschätzen (vgl. Coleman 2011). Für die bis dato größte Meta-Studie zu dieser Thematik hat Prof. Priscilla Coleman die Daten von 877.181 Frauen ausgewertet und ist zu folgenden Erkenntnissen gelangt:

  • Frauen, die abgetrieben haben, haben ein um 81% höheres Risiko, unter psychischen Problemen zu leiden (im Vergleich zu Frauen, die nicht abgetrieben haben).
  • Abtreibungsbetroffene Frauen haben ein um 138% höheres Risiko, psychische Erkrankungen zu entwickeln (im Vergleich zu Frauen, die ihr (ungeplantes) Baby ausgetragen haben)
  • Im Vergleich zu Frauen ohne Abtreibungserfahrung, leiden Betroffene öfter unter Angstzuständen (+ 34%) und Depressionen (+37%). Sie konsumieren vermehrt Alkohol (+110%) und Marihuana (+230%). Sie verüben öfters Selbstmord oder unternehmen Selbstmordversuche (+155%).

Symptome wie Alpträume, Depressionen, Essstörungen, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch können entweder gleich nach dem Eingriff auftreten, oder werden erst Jahre später durch bestimmte Trigger-Momente oder sich verändernde Lebensumstände ausgelöst. Wir wollen jeder Frau diese Folgen ersparen und wehren uns auch deswegen dagegen, Abtreibung als „Lösung“ zu bezeichnen!


Coleman, Priscilla (2011): Abortion and Mental Health: Quantitative Synthesis and Analysis of Research.
Published 1995-2009, British Journal of Psychiatry 2011(199), S.180-186.

Gruber, Sarah/Blanck, Stefanie (2014): Gynäkologie und Geburtshilfe. 5. Auflage, Urban & Fischer/Elsevier: München.

Seid ihr für ein Verbot der Abtreibung in Österreich? 

Das Motto unseres Marsches ist: „Frauen unterstützen. Kinder schützen. Abtreibung undenkbar machen“.

Neben einem Ausbau von Unterstützung für Frauen im Schwangerschaftskonflikt und Aufklärung und Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit zur Thematik, streben wir selbstverständlich auch einen gesetzlichen Schutz für die ungeborenen Kinder – aber auch für die Frauen – an (siehe auch Unsere Ziele und Forderungen). Dieser gesetzlich Schutz kann nur durch ein Strafverbot bewerkstelligt werden.

Die Strafe sollte in erster Linie den Abtreiber treffen, der aus der Konfliktsituation der Schwangeren Profit schlägt. Für die betroffenen Frauen sollte (wie auch jetzt schon in §96 ersichtlich) ein wesentlich geringeres Strafausmaß gelten, selbstverständlich mit der Möglichkeit einer Strafmilderung oder sogar Strafausschließung. Die Strafbarkeit der Abtreibung würde die Abtreibungszahlen zwar sicher senken, doch darf sie nicht das einzige Ziel sein!

Nur die Kombination aus flächendeckender Unterstützung für Schwangere, Information und Sensibilisierung der Bevölkerung, sowie der gesetzliche Schutz der Kinder vor der Geburt kann Abtreibungen langfristig verhindern – und undenkbar machen.