Geschichte der Abtreibung in Österreich

Bis kurz nach 1970 war es in Österreich gesetzlich völlig klar: das Leben eines Kindes muss geschützt werden, egal ob vor oder nach der Geburt. Doch dann wurde im November 1973 nach heftigen Diskussionen im österreichischen Parlament die Fristenregelung beschlossen, die Anfang 1975 in Kraft trat. Durch die Fristenregelung änderte sich folgendes:

  • Babys können bis zur 12. Schwangerschaftswoche abgetrieben (und damit getötet) werden, völlig ohne Angabe von Gründen.
  • Wenn ein Verdacht auf Behinderung besteht, kann ein Kind theoretisch bis zur Geburt abgetrieben (und damit getötet) werden.
  • Wenn die Schwangere zur Zeit der Schwängerung unmündig gewesen ist oder eine gesundheitliche Gefahr für die Mutter besteht, kann ein Kind ebenfalls bis zur Geburt abgetrieben werden.

Doch ein Großteil der Österreicher wollte das nicht auf sich beruhen lassen und die Kinder vor der Geburt nicht im Stich lassen. Man startete Initiativen, Demonstrationen und Mahnwachen. So wurde zum Beispiel das Volksbegehren Schutz des menschlichen Lebens gestartet. Dieses Volksbegehren fordete ein Ende der Fristenregelung. Es sammelte beinahe 900.000 Unterschriften und ist damit eines der größten Volksbegehren Österreichs!

Leider waren diese Bemühungen ohne Erfolg. Die Fristenregelung wurde seither nicht geändert und von keiner Regierung ernsthaft in Frage gestellt.

Bei der Einführung der Fristenregelung wurde außerdem versprochen, dass:

  • genaue Statistiken darüber geführt werden, warum Frauen abtreiben.
  • flankierende (= unterstützende) Maßnahmen gestartet werden, um Frauen von einer Abtreibung abzuhalten.
  • umfangreiche Aufklärung über Alternativen angeboten wird.
  • prinzipiell alles dafür getan wird, dass Frauen nicht abtreiben müssen.

Kein einziges dieser Versprechen wurde eingehalten. Inzwischen werden in Österreich Schätzungen zufolge jedes Jahr zwischen 30.000 und 35.000 Kinder abgetrieben. Zusammen mit etwa 80.000 Geburten pro Jahr ist das mehr als jedes 4. Kind, das in unserem Land durch eine Abtreibung stirbt.

Doch es läuft gerade eine Bürgerinitiative, die fordert, endlich die versprochene Statistik einzuführen. Inzwischen haben schon über 53.500 Menschen unterschrieben, die wenigstens wissen wollen, wie viele Abtreibungen es in Österreich überhaupt gibt! Hier kannst du die Initiative Fakten helfen unterstützen.

Doch wie ist es möglich, dass vorgeburtliche Kinder gesetzlich völlig ungeschützt sind? Wie war es überhaupt möglich, dass die Fristenregelung beschlossen wurde? Bevor über die Fristenregelung diskutiert wurde, waren ungeplante Schwangerschaften in unserer Gesellschaft kaum ein Thema. Es wurde kaum ein Gedanke daran verschwendet, wie man Frauen helfen könnte, damit sie ihr Kind bekommen können. Das zusammen mit einem sehr starkem politischen Willen und „erfolgreicher“ Kampagnen machte Abtreibung in Österreich erst überhaupt möglich.

Heute gibt es zum Glück viele Hilfsorganisationen, die weiterhelfen können. Trotzdem besteht noch ein großer Ausbaubedarf, wir dürfen hier nicht stehen bleiben. Wir brauchen mehr Unterstützung für Frauen. Die noch nicht geborenen Kinder müssen geschützt werden, auch gesetzlich. Abtreibung muss in Österreich undenkbar sein.